LANGE WEILEN


2020

Ich komme zurück.

Und dann ist da Corona. Trotz Beschränkungen kann ich erst einmal wohin ich möchte. Der Nebenjob, den ich mir gerade erst nach meinem Auslandssemester gesucht habe, wurde mir gekündigt. Uni ist jetzt online. Bin also »frei«. Coronamäßig und finanziell zwar garnicht, aber ich »muss« gerade nicht in Hamburg sein. Ich habe da keine Verpflichtungen.

Fahre mal zu meinem Freund und bleibe länger als es sonst aufgrund der Ferne geht – hat also irgendwie auch was Gutes. Wir gehen viel raus, weil wir da beide gern sind. Er zeigt mir seine Heimat, die ich noch kaum kenne.

Meine Familie kann ich auch zeitlich uneingeschränkter besuchen. Fahre in den Ort, in dem ich aufgewachsen bin. Meine Schwester ist in dieser Zeit auch viel da, worüber ich froh bin. Von Menschen fotografiere ich sie am liebsten. Mein Vater und meine Mutter haben Geburtstag. Ich backe Torten. Wir gehen wandern und trinken Sekt. Wir trinken, ohne wandern zu gehen. Und wir essen viel.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich zu jedem Zeitpunkt dort sein darf, wo ich bin. Irgendwann blicke ich nicht mehr durch oder ich informiere mich bewusst nicht ausreichend.
Das Umgebungwechseln mag ich. So verändert sich trotz des augenscheinlichen Stillstands für mich jedes Mal wieder etwas. Die Landschaft, die Menschen, meine Gedanken, meine Bilder.
Die Monate sind voll von langen Weilen und manchmal auch Langeweile. Voll von Nichts bis Wenigem, das bei allen gleichzeitig passiert, nicht passiert ... also eher leer? Während ich warte, sehe ich und nehme auf. Manchmal friedlich, fast meditativ und manchmal gezwungenermaßen.

Ich komme zurück.

Nach Hamburg. Diesmal hoffentlich »richtig«. Hab’ kein Geld. Es ist warm und ich schwimme im See wie letztes Jahr im Sommer. Im Winter habe ich oft daran gedacht. Das Seil mit den Bojen ist nicht mehr da. Sonst ist alles wie immer.

März bis Juni 2020.




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